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Stellen Sie sich vor, eine gute Fee will Ihnen drei Wünsche
erfüllen... Was würden Sie wählen? Geld, schnelle Autos, einen Super-Job?
Oder auch Gesundheit, Frieden in der Welt und einen sicheren Arbeitsplatz? Oder
eine ganze Schar Kinder, ein schönes Zuhause, einen verlässlichen Partner?
LebensTräume, die jeder – je nach Vorlieben – sich gerne erfüllen würde.
Die gleiche Frage, an Menschen mit Behinderung gestellt, ergibt die gleichen
Träume, die gleichen Wünsche: Der eine möchte ein bekannter Sänger sein, die
andere ihren Traummann finden. Die eine wäre gerne eine große Künstlerin, der
andere Pferdezüchter und erfolgreicher Turnierreiter oder einmal Indianer.
LebensTräume sind für Menschen mit einer Behinderung oft ebenso Schäume, wie
sie es für nichtbehinderte Menschen sind. Doch in einem unterscheiden sie sich:
Menschen mit einer Behinderung träumen oft auch davon, nicht behindert zu sein
– denn manche Träume ließen sich nur dann erfüllen.
Bereitwillig und mit einer gehörigen Portion Mut und Selbstvertrauen haben
behinderte Menschen aus Herford auf die Fragen nach ihrem LebensTraum Antwort
gegeben und sich porträtieren lassen. Einige haben ihre Träume – zumindest
in Ansätzen – bereits verwirklicht. So wurde aus manchem Wunsch bereits der
Beginn eines kleinen Traums.
Alle, die für diese Ausstellung befragt wurden, arbeiten in der Herforder
Werkstätten gGmbH, der gemeinnützigen Werkstatt für behinderte Menschen,
deren Gesellschafter die Lebenshilfe Herford e.V. ist. Der Alltag in der
Werkstatt, oft ebenso anstrengend oder aufreibend wie der Arbeitstag eines
Industriearbeiters oder eines Büroangestellten, spielt in den Träumen keine
Rolle; dennoch: Wie wichtig die Arbeit für den Lebensrhythmus ist, wie wichtig
auch der Austausch mit den Kollegen im Betrieb ist, haben fast alle in den
langen Interviews zu dieser Ausstellung immer wieder betont.
Jeder Traum braucht ein Zuhause. Den Wunsch nach einem friedlichen, schönen
Zuhause haben die behinderten Menschen, die in dieser Ausstellung von ihren
LebensTräumen berichten, nicht geäußert. Denn dieser Traum hat sich –
zumindest für die meisten von ihnen – bereits erfüllt. Wer in den
Wohneinrichtungen der Lebenshilfe Herford sein Zuhause hat, findet hier den
Freiraum, seine Wünsche auszuleben.
Stellen Sie sich vor, Sie hätten ein Kind mit einer Behinderung – was würden
Sie sich für die Zukunft Ihres Sohnes oder Ihrer Tochter wünschen? Was würden
Sie dafür tun, dass dieser Traum wahr wird? Die Eltern des kleinen Marvin
versuchen, dass ihr Kind die besten Voraussetzungen hat, um trotz des
Down-Syndroms, das seine geistigen Fähigkeiten einschränkt, ein
selbstständiges Leben führen zu können. Lange fühlten sich Marvins Eltern
allein gelassen mit ihrem Kind und ihren Träumen, die in einer Welt, „wo
Menschen mit einer Behinderung in die dunkle Ecke gestellt werden“, wie sie es
ausdrücken, keine Lobby haben. Noch heute kämpfen sie dagegen, dass Marvin als
„Fall ohne Zukunft“ betrachtet wird. In einer Selbsthilfegruppe setzen sie
sich unter anderem dafür ein, dass andere Eltern, die Kinder mit einer
Behinderung zur Welt bringen, nicht ebenso in ein „tiefes seelisches Loch
fallen“, wie es ihnen passierte.
Stellen Sie sich vor, ein Fotograf bäte Sie, sich in der Pose Ihres
LebensTraums ablichten zu lassen. Als Indianer, Schlagersänger oder Fotomodell.
Hätten Sie den Mut dazu? Die Menschen mit einer Behinderung, die sich für
diese Ausstellung fotografieren ließen, hatten den Mut. Vielleicht auch, weil
manche von ihnen für viele Menschen ohnehin „anders“ sind, weil manche
ohnehin gelernt haben, sich den neugierigen Blicken der Passanten zu stellen
oder das abfällige Tuscheln zu überhören.
Denn sie wissen, dass ihre Träume sich kaum von den Träumen
derjenigen unterscheiden, die sich als „normal“ bezeichnen.

Fotos: Jürgen Escher, Texte: Christian Frevel
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